24. April 2024

Studie beschreibt Potenziale von Großwärmepumpen in Brandenburg und Sachsen

Wie groß das Potenzial ist, welche Hemmnisse im Weg liegen und wo es schon nachahmenswerte Beispiele gibt, beleuchtet die Studie "Erneuerbar, effizient, regional - Potenziale von Großwärmepumpen in Brandenburg und Sachsen", die das Fraunhofer IEG im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung erarbeitet hat.

Großwärmepumpe
© Viessmann

"Unsere Studie macht Möglichkeiten von Großwärmepumpen für die Wärmeversorgung von Gebäuden und Stadtteilen deutlich", unterstreicht Fabian Ahrendts, Studienautor am Fraunhofer IEG. "Pionierprojekte zeigen, dass die Großwärmepumpentechnik bereits eine erprobte und einsatzbereite Technologie ist." So findet man viele Wärmenetze mit Großwärmepumpen im zweistelligen Megawatt-Bereich in nordeuropäischen Ländern, wo Strom im Vergleich zu Gas günstig ist und der politische Rahmen etwa über die kommunale Wärmeplanung passend gesetzt wurde. Aber auch in Deutschland steigt die Zahl der Projekte in denen Großwärmepumpen, Wärmespeicher, nachhaltige Wärme, Abwärme und Wärmenetze zusammen gedacht werden. Sie können auch für Brandenburg und Sachsen Vorbild sein, zeigt die Studie.

"Die Studie weist nach, dass Großwärmepumpen nicht nur höchst effizient sind, sondern sich auch für einen gemeinwohlorientierten Betrieb über Stadtwerke, städtische Eigenbetriebe, Wohnungsgenossenschaften bzw. dörfliche oder Bürgerenergie-Gemeinschaften eignen. Sie sind nicht die alleinige beste Lösung, können aber gerade in dicht besiedelten Gebieten einen Beitrag dazu leisten, die Wärmewende regional und umweltfreundlich zu gestalten", sagt Daniela Trochowski, Geschäftsführerin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. "Die Ergebnisse der Studie können eine gute Grundlage für die Entscheidungsfindung kommunaler Verantwortungsträger*innen und Hauseigentümer* innen sein, um die Wärmewende sozial und ökologisch zu gestalten. Gleichzeitig liefern sie gute Argumente für Umweltgruppen und Mieterorganisationen vor Ort."

Die Arbeit weist ferner darauf hin, dass partizipative Formen des Wärmepumpen- und Wärmenetzbetriebs, etwa in Form von Energiegenossenschaften, die öffentliche Akzeptanz stärken und Projekte beschleunigen können. Ein weiterer förderlicher Aspekt ist die passende Betriebstemperatur, welche die Effizienz und damit die Wirtschaftlichkeit maßgeblich bestimmt. Auf dem Land erleichtert die direkte Anbindung von Solar- und Windanlagen die Umsetzung.

Auf der politischen Ebene ist eine planbare CO2-Bepreisung ein Instrument, um den Umstieg auf die nachhaltige Wärmeversorgung zu fördern. Auch ein Netzentgeltdesign, das den systemdienlichen Einsatz der Großwärmepumpen im Stromnetz fördert, gehört in den Werkzeugkasten der kommunalen Wärmeplanung. Ebenso die rechtliche Regelung des Datenzugriffs auf Wärmequellen- und Potenzialkataster sowie der Datenbeschaffung. Sinnvoll sind zudem behördliche Vorgaben und finanzielle Anreize für Bürgerbeteiligungen an Projekten.

Zur Studie

Die Studie stellt die Rolle der Großwärmepumpe in Wärmenetzen vor und beschreibt Vorreiterprojekten, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten. Darauf aufbauend beschreibt sie die Potentiale der verschiedenen Wärmequellen für Großwärmepumpen in Sachsen und Brandenburg. Darüber hinaus betrachtet sie die Rolle von Bürgerenergiemodellen für die Umsetzung der lokalen Wärmewende. Konkret leitet sie zusammenfassend folgende Handlungsempfehlungen ab.

  • Preissignale als Steuerungselement betrachten: etwa das Verhältnis von Strom- zu Gaspreisen, planbare CO2-Bepreisung und zeitvariable Netzentgelte
  • Genehmigungsverfahren straffen: etwa für die Nutzung von Oberflächengewässern, Abwasser und die Errichtung von Wärmespeichern.
  • rechtliche Stärkung der Kommunen bei der Datenbeschaffung für die kommunalen Wärmepläne
  • Einführung eines Bürgschaftsprogramms für Wärmenetz-Lösungen von Stadtwerken und Bürgerenergiegesellschaften
  • verpflichtende Einbindung von Bürgerenergiegesellschaften in die kommunale Wärmeplanung
  • Bonuszahlung für Kommunen, in denen Nahwärmegenossenschaften entstehen
  • In der Studie werden Kommunen und Energieversorger - auch aus sozialen Gründen - auf die Preis- und Verfügbarkeitsrisiken grünen Wasserstoffs für den Gebäudebereich hingewiesen.

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