21. Mai 2024

Stromkabel soll Großbritannien und Deutschland verbinden

Ein unterseeisches 725 km langes Stromkabel soll erstmals die Energienetze von Großbritannien und Deutschland miteinander verbinden. Heute wurde der Spatenstich für das Großprojekt ausgeführt.

Seekabel verlegen
© Merle Schenker/BDEW

Das Unterwasser-Stromkabel wird Wilhelmshaven durch die Nordsee mit dem britischen Stromnetz in der englischen Grafschaft Kent verbinden. 2028 soll es in Betrieb gehen und Strom in beide Richtungen transportieren.

"Der Spatenstich für die erste direkte Stromverbindung zwischen Großbritannien und Deutschland ist ein weiterer wichtiger Baustein zur Sicherung der Stromversorgung in Europa", sagt VDI-Energieexperte Harald Bradke. "Diese Interkonnektoren ermöglichen den Stromaustausch zwischen den Stromnetzen in Europa und erhöhen damit den Wettbewerb und die Versorgungssicherheit", führt er weiter aus. Zudem verbessere sich das Preis-Leistungs-Verhältnis für Verbraucher und Verbraucherinnen.

Deutschlands Stromnetz ist bereits seit langem mit allen Stromnetzen seiner Nachbarländer verbunden. Im Jahr 2022 exportierte Deutschland 60 Terawattstunden (TWh) und erlöste damit 11,6 Milliarden (Mrd.) Euro, während 33 TWh für 9,2 Mrd. Euro eingeführt wurde.

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"Dieser seit mehr als fünfzehn Jahren anhaltende Nettoexportüberschuss von Strom aus Deutschland trug damit nicht nur zu hohen finanziellen Einnahmen für die deutsche Elektrizitätswirtschaft bei, sondern führte auch zu moderateren Strompreisen in ganz Europa", ordnet Bradke ein. "Aufgrund des schleppenden Ausbaus der Stromerzeugung aus Windenergie bei uns ist zu erwarten, dass sich Deutschland zumindest mittelfristig von einem Strom-Exportland zu einem Strom-Importland entwickeln wird, wie es bereits 2023 der Fall war." Dies geschehe allerdings nicht aus Gründen der Versorgungssicherheit, sondern ",weil unsere Nachbarn - vor allem im Norden Europas - günstigen Windstrom anbieten konnten und somit die teureren fossilen deutschen Kraftwerke nicht benötigt wurden".

Großbritannien ist über Hochspannungs-Gleichstromleitungen mit dem europäischen Festland über Norwegen, Dänemark, Niederlande, Belgien und Frankreich verbunden und hat von dort Netto große Mengen Strom bezogen. "Bis die "Stromautobahnen" vom Norden in den Süden Deutschlands fertig ausgebaut sind, wird auch deutscher Windkraftstrom nach Großbritannien fließen und muss bei einem hohen Windstromangebot an den deutschen Küsten nicht mehr abgeregelt werden. Das führt zu einer finanziellen Entlastung der deutschen Stromkunden", so der VDI-Experte. Auf längere Sicht wird jedoch erwartet, dass Windkraftstrom aus großen Windparks vor Schottland günstigen Strom nach Deutschland liefern werden, insbesondere, wenn an der deutschen Nord- und Ostsee Flaute herrscht.

Die neue Stromleitung zwischen Großbritannien und Deutschland genießt von der Europäischen Kommission den Status eines "Projekts von gemeinsamem Interesse" ("Project of Common Interest", PCI).

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