1. Februar 2024

KIA-Umfrage: Leben E-Autofahrer umweltbewusster?

Wer ein Elektroauto fährt, tendiert nicht nur in der Mobilität zur Nachhaltigkeit, sondern auch generell? Ob das zutreffend ist, hat jetzt eine von Kia beauftragte Vergleichsstudie von YouGov untersucht.

Auto Ledersitze
© KIA

Für die Studie wurden im November 2023 zwei repräsentative Stichproben von Autofahrerinnen und -fahrern aus ganz Deutschland befragt. Die Teilnehmer der einen Gruppe haben mindestens ein rein elektrisch angetriebenes Auto im Haushalt, die der anderen ausschließlich Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor (inkl. Hybride). Das Resultat: Die Antwort auf die Frage, ob Elektroautofahrer wirklich rundum umweltbewusster leben, lässt sich mit einem klaren „Jein“ beantworten. Denn die Studie brachte auch überraschende Ergebnisse. So legen E-Fahrer zwar in vielen Bereichen von biologisch abbaubaren Waschmitteln und Kosmetika ohne Mikroplastik bis zu Ökostrom und der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel mehr Wert auf Umweltfreundlichkeit und schätzen ihren Lebensstil insgesamt deutlich nachhaltiger ein als Nicht-E-Fahrer. Doch auf der anderen Seite fliegen sie häufiger, kaufen lieber Produkte mit Tierleder und unterscheiden sich beim Fleischkonsum ebenso wenig von den Nicht-E-Fahrern wie bei der Vermeidung von Plastikmüll.

Einkommensstarke E-Auto-Fahrer

Die Studie zeigt, dass bei den E-Auto-Fahrern Besserverdienende besonders stark vertreten sind. Fast die Hälfte derer, die Angaben zum Haushaltsnettoeinkommen gemacht haben, verfügen über mehr als 4.000 Euro im Monat (48 Prozent; Nicht-E-Fahrer: 31 Prozent), und nur 22 Prozent haben monatlich weniger als 2.500 Euro zur Verfügung (Nicht-E-Fahrer: 40 Prozent). Andererseits finden sich in den Einzelergebnissen der Studie kaum Anhaltspunkte für die Annahme, dass Nachhaltigkeit im alltäglichen Leben ein „Luxus“ ist, den sich Menschen mit höherem Einkommen eher leisten können. Selbst bei der Häufigkeit von Flugreisen lassen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen erkennen.

Elektroautofahrer haben in vielen Bereichen nachhaltig die Nase vorn

Gefragt, ob sie ihren Lebensstil als nachhaltig bezeichnen würden, antworten 69 Prozent der E-Fahrer mit „ja“ oder „überwiegend“, bei den Nicht-E-Fahrern sind es nur 51 Prozent. Das heißt zugleich, dass in beiden Gruppen immerhin mehr als die Hälfte den eigenen Lebensstil für weitgehend nachhaltig hält. Ähnliche Größenordnungen zeigen sich auch bei konkreten Aspekten wie Biowaschmitteln oder Mikroplastik. Die Frage „Achten Sie beim Kauf von Putz- und Waschmitteln darauf, ob die Inhaltsstoffe nachhaltig bzw. biologisch abbaubar sind?“ beantworten mit „ja“ oder „überwiegend“ fast drei Viertel der E-Fahrer (74 Prozent), aber nur 51 Prozent der Verbrenner-Fahrer. Und 68 Prozent der Stromer-Fahrer informieren sich beim Kauf von Alltagsprodukten und Kosmetika „immer“ oder zumindest „gelegentlich“ darüber, ob darin Mikroplastik enthalten ist, von den Nicht-E-Fahrern machen das lediglich 49 Prozent.

Preisbewusstsein hier und da

Wer vermutet, dass Secondhand-Produkte eher dort beliebt sind, wo weniger Geld zur Verfügung steht, wird eines Besseren belehrt: 69 Prozent der E-Fahrer geben an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens ein gebrauchtes Produkt gekauft zu haben, dem stehen nur 53 Prozent bei den Verbrenner-Fahrern gegenüber. Allerdings sind notorische Secondhand-Käufer (öfter als sechs Mal pro Jahr) mit jeweils elf Prozent in beiden Gruppen gleich häufig zu finden. Bei der Wahl des Stromtarifs stellt sich die Frage, was Priorität hat: der günstigste Preis oder die umweltfreundliche Erzeugung. Ausschließlich am Preis orientieren sich nur 20 Prozent der E-Fahrer, aber 45 Prozent der Nicht-E-Fahrer. Der Kreis derer, die sich preisunabhängig grundsätzlich für Strom aus regenerativen Quellen entscheiden, ist in beiden Gruppen überschaubar, wenn auch bei den Stromer-Fahrern deutlich größer (9 Prozent; Nicht-E-Fahrer: 5 Prozent). Und schließlich zeigt die Studie, dass den aufs E-Auto umgestiegenen Menschen auch der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel leichter fällt: 37 Prozent von ihnen besitzen ein Deutschlandticket oder ein anderes Abo für den öffentlichen Nahverkehr, bei den Verbrenner-Fahrern sind es nur 20 Prozent.

Fliegen und Lederliebe trüben Ökobilanz

Getrübt wird die Ökobilanz der Elektroautofahrer durch das Fliegen: 63 Prozent von ihnen sind in den vergangenen zwölf Monaten mindestens ein Mal geflogen, 23 Prozent sogar drei Mal oder öfter. Bei den Nicht-E-Fahrern ist der Anteil derer, die überhaupt geflogen sind, halb so hoch (32 Prozent), und nur 8 Prozent von ihnen steigen häufiger ins Flugzeug (drei oder mehr Male, Angaben jeweils nach Einzelstrecken). Auch die Liebe zum Leder passt nicht ganz ins Bild: 34 Prozent der E-Fahrer kaufen „sehr häufig“ oder „eher häufig“ Produkte aus oder mit echtem Tierleder, bei den Verbrenner-Fahrern geben das nur 11 Prozent zu Protokoll. Generell scheint aber Leder als Edelprodukt an Status zu verlieren, denn in beiden Gruppen überwiegt deutlich der Anteil derer, die „eher selten“ oder „nie“ Tierlederprodukte kaufen (E-Fahrer: 61 Prozent; Nicht-E-Fahrer: 85 Prozent). 

Beim Fleisch ist man sich einig

Wenn es ums Essen geht, herrscht dagegen Einigkeit in puncto Fleisch: Für knapp zwei Drittel ist es ein „sehr wichtiges“ oder „eher wichtiges“ Nahrungsmittel (E-Fahrer: 64 Prozent; Nicht-E-Fahrer 65 Prozent). Das bedeutet aber zugleich, dass immerhin für mehr als ein Drittel in beiden Gruppen Fleisch nachrangig ist („eher unwichtig“/„überhaupt nicht wichtig“: 28 Prozent) oder gar keine Rolle spielt („ich ernähre mich vegetarisch oder vegan“: 6 Prozent). Auch wenn es darum geht, möglichst wenig Plastikmüll zu produzieren, sind die Antworten auf beiden Seiten ähnlich: 87 Prozent der E-Fahrer und 88 Prozent der Verbrenner-Fahrer halten das für „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“. Fast gleich hoch ist auch die Bereitschaft, sich bei der Wahl zwischen einem Produkt aus Original-Rohstoffen und einem qualitativ gleichwertigen Produkt aus Recycling-Materialien für Letzteres zu entscheiden, selbst wenn es teurer ist (E-Fahrer: 27 Prozent; Nicht-E-Fahrer: 25 Prozent). Diejenigen, die sich vor diese Wahl gestellt generell für das preisgünstigere Produkt entscheiden, sind bei den Verbrenner-Fahrern allerdings deutlich stärker vertreten (56 Prozent; E-Fahrer: 41 Prozent). 

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